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En-Primeur 2025 – ein Jahrgang, der mehr Terroir zeigt denn je

  • 29. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

„Das Terroir kann sich in diesem Jahr nicht verstecken“ – diese Aussage haben wir von mehreren Weingütern gehört. Vor allem jene mit herausragenden Böden und den besten Lagen bestätigten diesen Eindruck.


Tatsächlich zeigt sich der Jahrgang stilistisch außergewöhnlich differenziert: Ob ein Wein aus den merlotreichen Kalkböden des rechten Ufers – etwa aus Saint-Émilion oder Pomerol – stammt, ist im Vergleich zu den Weinen aus Graves oder vom linken Ufer klar erkennbar.


Unserer Einschätzung nach gab es – mit wenigen Ausnahmen wie Vieux Château Certan oder Guillot Clauzel – nur wenige Winzer, denen es gelungen ist, bei einem hohen Merlot-Anteil wirklich große Weine zu erzeugen. Der Grund liegt im Verhältnis von Fruchtfleisch zu Schalen und Kernen: Üblicherweise beträgt dieses etwa zwei Drittel zu einem Drittel. In diesem Jahr führte eine lange Trockenperiode jedoch zu sehr kleinen Merlot-Trauben, wodurch sich das Verhältnis auf etwa 50:50 verschob. Dies begünstigt eine stärkere Tanninextraktion, die zu harten, teilweise grünen Tanninen führen kann.


Entsprechend entscheidend waren ein feines Gespür für die eigenen Weinberge sowie eine reduzierte Stockbelastung – insbesondere für Betriebe, die überwiegend oder vollständig auf Merlot setzen.


Deutlich im Vorteil waren Weingüter mit höherem Cabernet-Anteil: So überzeugte beispielsweise Cheval Blanc mit einem hohen Anteil an Cabernet Franc, während Figeac wie gewohnt eine Cuvée aus etwa gleichen Teilen Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc erzeugte. Beide Weine zählen für uns in diesem Jahr zu den herausragenden Qualitäten.

Allerdings war der Jahrgang insgesamt herausfordernd: Cheval Blanc erzielte lediglich 15 hl/ha – eine extrem geringe Erntemenge, bei der sich manch anderes Weingut gefragt hätte, ob sich die Lese überhaupt lohnt.


Das linke Ufer profitierte hingegen davon, dass Cabernet später reift als Merlot. Regen Ende August revitalisierte die Reben, sodass der Reifeprozess erneut einsetzen konnte. Entsprechend präsentieren sich viele Weine mit hohem Cabernet-Anteil besonders ausgewogen und charmant.

Margaux glänzt wie gewohnt mit weichen Tanninen und großer Finesse. In Pauillac überzeugt insbesondere Pichon Comtesse de Lalande mit einer beeindruckenden Tanninstruktur und großem Reifepotenzial. Mouton Rothschild hat einen klassischen Wein erzeugt, der die Appellation und ihr herausragendes Terroir perfekt widerspiegelt.


Die Alkoholwerte unterstreichen zudem ein stilistisches Umdenken: Bordeaux besinnt sich wieder auf seine Stärken. 12,5 bis 13,5 Volumenprozent sind die Regel. Château Lafite Rothschild setzt mit nur 12,5 % Alkohol auf extreme Frische, filigrane Struktur und ein prägnantes Tanningerüst – ein bemerkenswerter stilistischer Ansatz.


Eine besonders beeindruckende Leistung zeigte in diesem Jahr Léoville Las Cases. Neben dem eindrucksvollen Kellerbau überzeugt vor allem die Qualität im Glas. Die innerhalb des Clos gelegenen Parzellen zählen zu den besten der Region und werden seit Jahrzehnten sorgfältig bewirtschaftet. Der Wein gehört für uns zu den großen Empfehlungen des Jahrgangs. Auch der Zweitwein Petit Lion bietet bemerkenswerte Qualität und eignet sich hervorragend für den früheren Genuss. Die Selektion erfolgt hier konsequent über die Qualität der Trauben, nicht über Marken- oder Lagenunterschiede.


Im westlichsten Teil des linken Ufers, in Saint-Estèphe, begeistert Montrose erneut mit Präzision und Reife und hebt sich deutlich von vielen anderen Weinen der Region ab – einer der terroirgeprägtesten Weine des Jahrgangs.


Auch die Weine aus Graves und Pessac-Léognan, nahe der Stadt Bordeaux, präsentieren sich klassisch und auf sehr hohem Niveau – vielleicht etwas zurückhaltender und filigraner als die Weine aus dem Médoc. Besonders überzeugt haben uns hier Haut-Brion und Les Carmes Haut-Brion.


Zur Aromatik

Der Jahrgang zeigt sich insgesamt puristisch und ursprünglich. Die Frucht ist geprägt von roten, frischen Aromen, der Alkoholgehalt vergleichsweise niedrig. Gleichzeitig überzeugt die Struktur durch präzise, lang anhaltende Tannine und eine deutliche Terroirprägung. Ein Jahrgang, der bei einigen Weinen früh zugänglich ist, während andere ein erhebliches Reifepotenzial über viele Jahre hinweg aufweisen.

 
 

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