Bordeaux wird aufgemischt: Was die MICHELIN Grape Selection wirklich bedeutet
Es gibt Momente, in denen eine Weinregion neu vermessen wird. Die Vorstellung der ersten MICHELIN Grape Selection für Bordeaux, präsentiert Anfang September in der Cité du Vin, ist ein solcher Moment. Zum zweiten Mal nach dem Burgund hat der MICHELIN Guide seine Expertise – jene Rigorosität, mit der er seit 1926 Restaurants bewertet – auf die Welt des Weins übertragen. Und ausgerechnet Bordeaux, die traditionsreichste und am stärksten institutionalisierte Weinregion der Welt, zeigt sich dabei überraschend lebendig.
Mehr als eine Wiederholung der alten Hierarchie
Wer eine bloße Bestätigung der Klassifikation von 1855 erwartet hatte, wird eines Besseren belehrt. Zwar tauchen viele der bekannten Namen erwartungsgemäß in der Spitzengruppe auf – doch die Art, wie MICHELIN sie einordnet, erzählt eine andere Geschichte als die 170 Jahre alte Rangliste.
Unter den neun mit drei MICHELIN Grapes ausgezeichneten Weingütern finden sich auf dem linken Ufer Château Léoville Las Cases, Château Lafite Rothschild und Château Montrose. Bemerkenswert: Léoville Las Cases und Montrose sind in der Klassifikation von 1855 „nur" Deuxièmes Crus – bei MICHELIN stehen sie nun gleichauf mit einem der berühmtesten Premiers Crus der Welt. Auf dem rechten Ufer setzen sich Petrus, Château La Conseillante und Château Lafleur aus Pomerol durch – eine Appellation, die 1855 überhaupt nicht berücksichtigt wurde, weil sie zu dieser Zeit noch kaum Bedeutung hatte. Hinzu kommen Château Cheval Blanc und Château Figeac aus Saint-Émilion sowie, als einziger Vertreter der Süßweine, das unangefochtene Château d'Yquem aus Sauternes.
Auch bei genauerem Hinsehen wird deutlich: MICHELIN bewertet nicht Etikett oder Renommee, sondern die tatsächliche Arbeit im Weinberg und im Keller. Güter, die außerhalb der großen, seit 1855 bekannten Namen liegen, erhalten hier erstmals eine unabhängige, öffentlich sichtbare Bestätigung ihrer Qualität – ein Signal, das gerade unter Kennern seit Jahren erwartet wurde. In der Fachwelt war schon lange die Rede davon, dass eine faire, zeitgemäße Neubewertung der Bordeaux-Crus so manches etablierte Château herausfordern und zugleich konsequent arbeitenden, kleineren Betrieben den verdienten Aufstieg ermöglichen würde. Genau diese Dynamik nimmt mit der MICHELIN Grape Selection nun erstmals institutionelle Form an.
Ein Guide, der genau hinschaut
Insgesamt 83 Weingüter wurden für die erste Bordeaux-Selection berücksichtigt – vom Médoc mit seinen kommunalen Appellationen Saint-Estèphe, Pauillac, Saint-Julien und Margaux über Pessac-Léognan bis zu Saint-Émilion, Pomerol sowie Sauternes und Barsac. 9 Châteaux erhielten die Höchstwertung von drei Grapes, 16 zwei Grapes, 37 eine Grape, weitere 21 wurden als Selected Wine Estates ausgezeichnet.
Die ausgezeichneten Weingüter im Überblick
Drei MICHELIN Grapes Château Léoville Las Cases, Château Lafite Rothschild, Château Montrose (Médoc) · Petrus, Château La Conseillante, Château Lafleur (Pomerol) · Château Cheval Blanc, Château Figeac (Saint-Émilion) · Château d'Yquem (Sauternes)
Zwei MICHELIN Grapes Château Mouton Rothschild, Château Pichon Comtesse, Château Pichon Baron, Château Pontet-Canet (Pauillac) · Château Margaux, Château Palmer (Margaux) · Château Troplong Mondot, Château Canon, Château Ausone, Château Angélus, Château Beau-Séjour Bécot (Saint-Émilion) · Vieux Château Certan (Pomerol) · Château Haut-Brion, Château La Mission Haut-Brion, Château Les Carmes Haut-Brion (Pessac-Léognan) · Château de Fargues (Sauternes)
Eine MICHELIN Grape Château Canon La Gaffelière, Château Belair-Monange, La Mondotte, Château Beau-Séjour, Château Bellefont-Belcier, Château Jean Faure, Château Larcis Ducasse, Château Berliquet, Château Mangot, Château Soutard (Saint-Émilion) · Château Branaire-Ducru, Château Léoville Barton, Château Lagrange, Château Langoa Barton (Saint-Julien) · Château Calon Ségur, Château Cos d'Estournel, Château Haut-Marbuzet (Saint-Estèphe) · Château de Fieuzal, Château de Chevalier, Château Haut-Bailly, Château Smith Haut Lafitte (Pessac-Léognan) · Château Giscours, Château Brane-Cantenac, Château Rauzan-Ségla (Margaux) · Château Grand-Puy-Lacoste, Château Lynch-Bages, Château Clerc Milon (Pauillac) · Château Clinet, Château Lafleur-Petrus, Château Trotanoy, Château L'Évangile, Château Le Pin (Pomerol) · Château Coutet, Château Sigalas Rabaud, Château Closiot, Château Rieussec, Château Suduiraut (Sauternes)
Selected Wine Estates Château d'Armailhac, Château Duhart-Milon, Château Pédesclaux (Pauillac) · Château Lascombes, Château Cantenac Brown, Château Malescot Saint-Exupéry (Margaux) · Château Beychevelle, Château Gruaud Larose, Château Saint-Pierre, Château Talbot (Saint-Julien) · Château Franc Mayne, Château Clos Fourtet, Château La Clotte, Château Larmande, Château Quintus, Château Rocheyron (Saint-Émilion) · Château Bourgneuf, Château Nénin (Pomerol) · Château Lafon-Rochet (Saint-Estèphe) · Château Guiraud, Château La Tour Blanche (Sauternes)
Warum uns das bei SUMMA besonders freut
Bordeaux ist für uns kein Kapitel unter vielen – es ist der Ursprung. Unsere erste Reise ins Bordelais liegt mittlerweile mehrere Jahre zurück, unsere ersten Geschäftsbeziehungen entstanden dort, unser Einstieg als Unternehmen erfolgte bewusst mit einem der besten Bordeaux-Jahrgänge der jüngeren Geschichte. Diese Region ist bis heute das Herzstück unseres Sortiments und unserer Überzeugung, dass kaum eine andere Weinregion der Welt eine vergleichbare Dichte an Weltklasse-Weingütern vereint.
Was uns an der MICHELIN Grape Selection besonders überzeugt, ist genau jene Haltung, die auch unserer eigenen Arbeit zugrunde liegt: Qualität wird nicht an einem Etikett oder einem Jahrhunderte alten Ranking festgemacht, sondern an der tatsächlichen, nachprüfbaren Leistung eines Weinguts – Jahr für Jahr. Für Sammler und Weinliebhaber entsteht damit eine neue, verlässliche Orientierung jenseits der eingefahrenen Pfade. Für Investoren ist die Botschaft noch konkreter: Die Kriterien, die MICHELIN hier misst – Konstanz, Terroir-Treue, handwerkliche Exzellenz –, sind genau jene Faktoren, die langfristig über die Wertentwicklung eines Weins entscheiden können.
Bordeaux mischt sich selbst auf – und zeigt einmal mehr, warum diese Region für uns seit dem ersten Tag die Spitze des Fine-Wine-Universums bildet.


